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Glaubenssätze

Frage: «Es ist jedes Jahr das Gleiche. Kaum hat die Adventszeit begonnen, habe ich so viel um die Ohren, dass für die besinnliche Weihnachtsstimmung keine Zeit bleibt. Statt froh und munter Weihnachtsmärkte und die Vorfreude aufs Fest zu geniessen, sitze ich bis spät im Büro, um all die Dinge zu erledigen, die in diesem Jahr noch erledigt werden müssen. Was mache ich falsch?»

Antwort: Besonders am Jahresende beginnt im Büro der Weihnachtsmarathon. Jahresabschlüsse werden fertiggestellt, die Geschäftsplanung für das kommende Jahr ist in vollem Gange und ein Kundentermin jagt den nächsten. Auch unter den Kollegen kommt es häufiger zu Unstimmigkeiten, da der Leistungsdruck besonders hoch ist. Hinzu kommt die übervolle Agenda im Privaten: Weihnachtsessen, Karten verschicken, Apéros, Einkaufstouren, Kekse backen und vor allem die Termine so arrangieren, dass man auch wirklich niemanden vergessen hat. Von Besinnlichkeit fehlt jede Spur. Was veranlasst uns selbst dazu, die Dinge so furchtbar wichtig zu nehmen und alles zu Ende bringen zu wollen?

Glaubenssätze: Wir alle haben im Laufe unseres Lebens bestimmte Glaubenssätze entwickelt, was vermeintlich wichtig und richtig ist. Oftmals stehen wir uns mit diesen Glaubenssätzen selbst im Weg und setzen uns mit überhöhten Ansprüchen an uns selbst unter Druck. So sind viele von uns der Meinung, das Weihnachtsfest kann nur schön werden, wenn es perfekt organisiert ist, die grossartigsten Geschenke unter dem Baum liegen und alle alltäglichen Dinge erledigt sind. Die Wahrscheinlichkeit an diesen Ansprüchen zu scheitern, ist relativ gross. Zudem bleibt für die vielen angenehmen Kleinigkeiten in der Adventszeit keine Zeit. Fragen Sie sich doch einmal selbst: Welche Glaubenssätze bestimmen ihr Leben. Sind es diese: «ich muss all die Arbeit noch erledigen …, ich muss noch dringend …, das Fest muss wunderschön werden ….»? Warum gerade diese? Wie beeinflussen diese Glaubenssätze ihr Verhalten? Was würde sich verändern, wenn ihr Verhalten nicht von diesen Glaubenssätzen beherrscht wäre? Welche alternativen Glaubenssätze wären für Sie hilfreicher? Was würde sich durch diese Glaubensätze verändern?

Ankommen: Advent kommt aus dem Lateinischen und bedeutet «Ankunft». Statt bewusst am Ende des Jahres anzukommen, zu resümieren, zu geniessen – wollen wir alles noch erledigen, was liegen bleiben musste. Aber: Zeitdruck schafft keine Besinnung. All zu leicht lassen wir uns von unseren eigenen Leistungserwartungen treiben und vergessen: Ankommen ist positiv! Es hilft uns neue Kraft zu sammeln und das Neue Jahr mit neuer Energie zu beginnen. Denken Sie einmal darüber nach: Welchen Grund hat es, dass die Weihnachtszeit mit einer solchen Vielfalt an Düften, Gaumenfreuden und Klängen daherkommt? Die Gerüche, Düfte und Geräusche sollen den Zweck der Adventszeit untermalen und es den Menschen erleichtern, sich darauf einzulassen. Achten Sie ganz bewusst auf die duftenden Mandeln und die Klänge auf dem Weihnachtsmarkt und nehmen Sie die Dinge um Sie herum intensiv war. Wo kann man heute denn noch ankommen, wenn nicht zu einer Zeit, die dafür vorgesehen ist? Eine Weisheit besagt: «Der moderne Mensch kann mit Advent und Weihnachten nichts mehr anfangen. Er hat aber noch keinen vergleichbaren Ersatz gefunden.» Sie dürfen sich also getrost die Zeit nehmen, die Sie selbst benötigen, um anzukommen. Denn ankommen kann man nicht für andere, nur für sich selbst!

Michael F. Gschwind, Psychologe FSP, unterstützt als Laufbahnberater und Coach Personen in beruflichen Veränderungsprozessen. > www.mfgschwind.ch