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Karriere nach der Karriere

Frage: Ich betreibe intensiv Sport und mache mir Gedanken um meine Perspektiven nach der Karriere als Spitzensportler. Mein sportliches Engagement liess es aber bis jetzt nicht zu, dass ich mich um meine berufliche Zukunft kümmern konnte. Ich frage mich, wie ich den Übergang in den Beruf meistern kann und wo meine Fähigkeiten gefragt sind.

Antwort: Ihre Überlegungen zum Übergang vom Sport in das Berufsleben am Ende der Sportlerkarriere sind keine Seltenheit. Viele Spitzensportler machen sich jedoch lange Zeit wenig Gedanken über ihre berufliche Zukunft. Im Allgemeinen gilt deshalb die Devise: Vorsorge ist besser als Nach-sorge. Es empfiehlt sich, schon während der Sportkarriere mit der Ausbildung für einen späteren Beruf zu beginnen. Der Übergang gelingt dann problemlos. Sergei Aschwanden (Profi-Judoka bis 2008) studierte beispielsweise während seiner Sportlerkarriere Sport und Wirtschaft an der Universität Lausanne mit dem Ziel, in der Sportadministration tätig zu werden.

Jungen Spitzensportlern wird deshalb angeraten, schon während der ersten Karriere für die zweite zu planen. Dabei können der Trainer oder auch andere Bezugspersonen eine grosse Unterstützung sein. Zur Berufsausbildung gibt es diverse Möglichkeiten: Sportgymnasium, die Fernfachhochschule Schweiz FFHS, ein kombiniertes Studium von Sport und Wirtschaft in Lausanne oder ein Sport-KV. Ansonsten bietet Swiss Olympics im Internet interessante Hilfestellungen für die Karriereplanung unter www.swissolympic.ch.

Zusatzausbildung. Was, wenn die Vorsorge zu kurz kam? In Ihrem Fall sind die genannten Ratschläge natürlich nur begrenzt hilfreich. Es ist aber bekanntlich nie zu spät für eine Karriere nach der Karriere, auch nicht für eine Ausbildung zu einem eher späten Zeitpunkt. Oftmals ist eine Zusatzausbildung zu Berufen, die in enger Verbindung zum vorher praktizierten Sport stehen, nicht über die Massen zeitaufwendig. So bieten viele sportliche Organisationen, mit denen man als Sportler schon vorher zu tun hatte, auch noch weitere Berufsmöglichkeiten an. Hier könnten zum Beispiel Swiss Olympic oder IOC erwähnt werden. Um nur einige mögliche Berufsfelder zu nennen, bieten sich das breite Feld der Prävention, des Sportmarketings, der Beratung für Sportler oder Sportorganisationen, oder auch die Sportpsychologie, Geschäftsleitung einer Sportorganisation, und natürlich nicht zuletzt, die Tätigkeit als Trainer oder Coach an.

Wertvolle Ressourcen. Spitzensportler verfügen oft über herausragende Fähigkeiten, die nicht allein im Sport sondern auch im Beruf nützlich sind. Dazu gehören Disziplin, Durchsetzungsvermögen und Ausdauer, aber auch Fokussiertheit und Ehrgeiz. Diese Zielorientiertheit bringt zumeist auch eine grosse Portion Geduld und, was beinahe wichtiger ist, Frustrationstoleranz mit sich. Sportler haben einen enormen Erfahrungsschatz im Umgang mit Rückschlägen und mit grossem Erwartungsdruck, welcher vielen Berufstätigen Mühe bereitet. Diesen Erfahrungswert könnten sie sowohl in beratender wie auch in leitender Funktion zu vielseitigem Nutzen einsetzen. In einigen Fällen kommt dazu noch eine gute Medienpräsenz und -kompetenz, die durch Interviews erworben wurde. Diese können in Positionen, die beispielsweise mit Public Relations zu tun haben, nützlich sein. Auch das über Jahre aufgebaute Beziehungsnetz sollte nicht unterschätzt werden. Mit dem gezielten Einsatz der richtigen Ressourcen und Kontakten lässt sich so auch die zweite Karriere erfolgreich in Angriff nehmen.

Michael F. Gschwind, Psychologe FSP, unterstützt als Laufbahnberater und Coach SSCP Personen in beruflichen Veränderungsprozessen. > www.mfgschwind.ch