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SchlafundLeistung

FRAGE: Ich brauche wenig Schlaf, im Schnitt maximal fünf Stunden pro Nacht. Meine Arbeitskollegen meinen, das sei nicht gesund, weil dadurch mit der Zeit meine geistige Leistungsfähigkeit abnehme. Zudem wache ich immer wieder auf, was ich aber als nicht gravierend betrachte. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Leistungsfähigkeit und muss ich meinen Schlafrhythmus verändern, sodass ich weniger aufwache?

ANTWORT: Das Schlafverhalten ist zwischen den Menschen sehr verschieden. Als normal gelten eine durchschnittliche Schlafdauer von 7 bis 8 Stunden und eine Schlaflatenz (die Zeit bis zum Einschlafen) von 5 bis 20 Minuten. Kurzschläfer brauchen in der Regel weniger als 4.4 Stunden, Langschläfer hingegen mehr als 9.5 Stunden Schlaf. Zwischen diesen beiden Gruppen lassen sich keine Unterschiede im Gesundheitszustand finden. Solange Sie sich am Morgen fit und munter fühlen, reichen Ihre 5 Stunden aus. Zwingen Sie Ihrem Körper deshalb nicht mehr Schlaf auf, als er braucht!

Lange Zeit wurde die Hypothese vertreten, dass der Schlaf der körperlichen Erholung dient. Neuere Annahmen kommen jedoch zum Schluss, dass der Körper und die Muskeln sich auch in den Ruhephasen des Wachzustandes erholen können. Das Gehirn ist von dieser Annahme ausgeschlossen: Schlaf scheint daher weniger für die Erhaltung der körperlichen Funktionen als vielmehr für die Funktionstüchtigkeit des Gehirns wichtig zu sein. Nach heutigen Forschungsergebnissen wird angenommen, dass eine wichtige Funktion von Schlaf und Traum darin liegt, Lernprozesse und Gedächtnisinhalte zu konsolidieren. Sehr wenig Schlaf über eine längere Zeit kann zu Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen führen und damit zur Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit.

SCHLAFSTÖRUNGEN. Angst und Stress können zu Ein- und Durchschlafstörungen führen. Ein erhöhtes physiologisches Erregungsniveau ist für die Schlafstörung verantwortlich. Eine mögliche Ursache ist ständiges Nachdenken über Probleme am Arbeitsplatz. Solche Gedanken setzen Stresshormone frei, die eigentlich helfen, die Probleme aktiv anzugehen. Dies führt zum Dilemma schlafen wollen versus Probleme lösen. Am Morgen fühlt man sich erschöpft, unausgeglichen und müde.

Mehrmaliges Aufwachen in der Nacht ist jedoch kein eindeutiges Zeichen von Stress oder mangelender Schlafqualität, sondern ein normales Phänomen: Wiederholtes Aufwachen gehört zu einem gesunden Schlaf! Denn Schlaf ist ein aktiver, in 90-Minuten-Zyklen ablaufender Prozess mit längeren Schlaf- und kurzen Wachphasen. Nach einer schlechten Nacht muss der Schlaf in der Regel nicht nachgeholt werden, da der Körper den Schlaf über die Schlafqualität und nicht –quantität reguliert. Gestörter Schlaf kann unangenehm sein, hat aber meist keine Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Falls Sie in der Nacht aufwachen: Nicht den Kopf zerbrechen, sondern zu sich sagen: «Wie schön, jetzt habe ich noch drei Stunden Zeit, um im Bett zu liegen.» Das Fokussieren auf das Nichtschlafen-können verhindert garantiert das Ein- bzw. Weiterschlafen.

Einmalige Störungen sollten nicht überbewertet werden, wiederkehrende Schlafprobleme jedoch angegangen werden (Stressabbau durch Sport, leichte Bewegung vor dem Schlafengehen, eher kühle Raumtemperatur, Beruhigungstee, negative Gedanken unterbinden, zu Bett gehen, wenn Sie müde sind etc.). Langandauernde Schlafprobleme führen zu psychologischen Beeinträchtigungen wie nachlassende Aufmerksamkeitsleistung, Ausfällen im Kurzzeitgedächtnis, depressive Verstimmung und Zunahme von Aggressivität.

Michael F. Gschwind, Psychologe FSP, unterstützt als Laufbahnberater und Coach SSCP Personen in beruflichen Veränderungsprozessen. > www.mfgschwind.ch