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Schock - Kündigung

Meinem Mann wurde gekündet

FRAGE. «Mein Ehemann erhielt mit 53 Jahren, nach 20-jähriger Betriebszugehörigkeit, die Kündigung. Dies war für uns beide ein nicht zu erwartendes Ereignis – ein riesiger Schock! Auf was muss ich mich nun gefasst machen?»

ANTWORT. Ein unerwarteter Arbeitsplatzverlust ist, wie Sie es selbst beschreiben, ein grosser Schock für die betroffene Person und das Umfeld. Gerade für Personen ab 50 Jahren ist der Arbeitsplatzverlust, und damit der Verlust von Berufsidentität, Prestige und finanzieller Sicherheit, tragisch. Der Knick in der Karriere lässt die Betroffenen in eine schwere Sinnkrise fallen. Ich versuche nun, aus der Sicht von Betroffenen aufzuzeigen, welche Phasen diese nach einer Kündigung durchlaufen und wie sie unterstützt werden können.

Am Anfang steht die Hiobsbotschaft. Sie kommen Montagmorgen wie gewohnt ins Büro, werden aber gegen 11 Uhr zum Personalchef beordert und um 11:30 freigestellt. Sie reiben sich die Augen und fragen sich, ob sie träumen. Sie suchen nach Erklärungen: «Weshalb gerade ich, warum mit 53 Jahren, wieso gibt es keine andere Lösung?» Zu Hause fehlen den Betroffenen auch die Worte. Sie gehen davon aus, dass es sich um einen schrecklichen Irrtum handelt, der sich bald aufklärt. Darum schweigen die Bertoffenen meist. Sie wollen ihr Gesicht wahren. Weil es ihnen peinlich ist, kann es sein, dass sie am nächsten Tag wie gewohnt aus dem Haus gehen und spät abends wieder zurück kommen. Manchmal wird wochenlang vorgespielt, alles sei in Ordnung.

Wenn die Betroffenen über das Ereignis zu sprechen beginnen, sind sie beherrscht von Wut, Trauer und Selbstzweifel. Die Emotionen gehen nun für eine längere Zeit rauf und runter. Dies kann für das private Umfeld eine schwierige Phase sein. Der Einbezug von Hilfssystemen - Berater, gute Freunde -, die einfach nur zuhören, ist hilfreich.

ERNÜCHTERUNG. Langsam realisieren die Betroffenen, dass es sich um bittere Realität handelt. Das Schwarz-Weiss-Denken (nur die Firma trägt die Schuld) erhält Grautöne (vielleicht habe ich auch einen Teil dazu beigetragen). Die Verarbeitungsphase beginnt, und damit sind auch kritische Fragen erlaubt. In der Beratung wird der ganze Prozess bis zur Kündigung retrospektiv aufgerollt, um das Ereignis sinnvoll in die eigene Lebensgeschichte integrieren zu können. Durch die beginnende Distanzierung von der Firma und der Trennung von früheren Plänen wird ein Nachdenken über die Zukunft möglich.

Nun geht darum, Bilanz zu ziehen und vorwärts zu schauen. Fragen stehen im Vordergrund wie: «Was will ich beruflich eigentlich? Weitermachen wie bis anhin oder die Krise als Chance sehen, etwas ganz anderes zu machen? Was kann ich? Welche Kompetenzen und Erfahrungen habe ich mir angeeignet? Wer könnte davon profitieren und wie kann ich dies für andere Personen oder Firmen erkennbar machen?» Ein mühseliger und oft frustrierender Prozess beginnt: Stellen suchen (aber wo?), Bewerbungen schreiben (aber wie?), Absagen in Kauf nehmen (und sich trotzdem von Neuem motivieren), sich bei einem potentiellen Arbeitgeber vorstellen (wie läuft das heutzutage ab?). Hier lohnt es sich, Unterstützung bei Freunden und Verwandten zu holen. Besprechen Sie gemeinsam, wer Ihnen weiterhelfen kann und will.

CHANCE. Gehen Sie die Kündigung konstruktiv an (ich weiss, dies ist einfacher gesagt als getan): Betrachten Sie die Neuorientierung als ein Projekt mit Anfang und Ende. Nutzen Sie alle Ihnen bekannten Ressourcen. Je mehr Personen und Hilfssysteme Sie für das Projekt gewinnen, desto grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass dieses in einer vernünftigen Zeit positiv abgeschlossen werden kann.

Michael F. Gschwind, Psychologe FSP, unterstützt als Laufbahnberater und Coach SSCP Personen in beruflichen Veränderungsprozessen.> www.mfgschwind.ch