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Stresssignale wahrnehmen

FRAGE: Meine Arbeit wächst mir mehr und mehr über den Kopf. Auch im Verein, wo ich als Präsident amte, werde ich mit Aufgaben überhäuft. Und wenn ich an meine zusätzlichen Pflichten als Familienvater denke, wird mir ganz schön schwindelig. Aufgrund der zugenommenen Belastung reagiere ich mit Schlafproblemen und Gereiztheit. Ich frage mich, ob ich schon einen kritischen Stresslevel erreicht habe und was ich dagegen tun kann.

ANTWORT: Sie beschreiben zwei typische Stresssignale: Schlaflosigkeit und Gereiztheit. Weitere bekannte Symptome sind zunehmende Müdigkeit, Schwitzen, Kopfschmerzen, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, erhöhter Puls, Lustlosigkeit, Gedankenkreisen, Konzentrationsprobleme usw. Das einzelne auftreten dieser Symptome muss nicht zwingend auf Stress hinweisen. Treten sie jedoch gehäuft auf, sollten Sie Massnahmen zum Stressabbau ergreifen. Um herauszufinden, ob Sie schon einen kritischen Stresslevel erreicht haben, empfehle ich Ihnen den Online-Fragebogen des Vereins stressnostress (www.stressnostress.ch). Dieser ist fundiert, kostenlos und einfach und anonym durchführbar. Und Sie erhalten online sofort ein Feedback.

BURNOUT. Ein Leben ohne Stress gibt es nicht. Stress verhilft uns zu mehr Aufmerksamkeit und Energie. Eine Dosis Stress weckt unsere Lebensgeister und befähigt uns, mit belastenden Situationen umzugehen. Nimmt der Stress aber nicht ab, verbrauchen wir unsere Ressourcen. Auf neue Belastungssituationen können wir dann nicht mehr adäquat reagieren und unsere Leistungsfähigkeit sinkt. Langanhaltender Stress, ausgelöst zum Beispiel durch permanenten Zeit- und Termindruck, fehlende Kontrolle über die Arbeitsmenge und ungelöste Konflikte am Arbeitsplatz, können zu ernsthaften Erkrankungen wie Magen-DarmGeschwüren, Verminderung der Immunität oder auch Burnout führen. Dieses tritt immer häufiger auf und stellt den Endzustand einer längerfristigen und stressbedingten arbeitsbezogenen Überlastung dar, gekennzeichnet durch schwere Erschöpfungserscheinungen und die Unfähigkeit zur Regeneration.

WENIGER IST MEHR. Dazu muss es nicht kommen, wenn Sie ihre Batterien immer wieder aufladen, indem Sie genügend Ruhephasen einbauen, Ihre Gesamtbelastung abbauen, indem Sie ihre verschiedenen Aktivitäten reduzieren und fleissig das Nein-Sagen üben. Um nicht selbst in die Stressfalle zu treten, verwende auch ich einige der auf www.stressnostress.ch beschriebenen Hinweise. Meine persönlichen Entstresser sind: rigorose Ressourcenplanung - in meiner Wochenagenda halte ich genügend Reservezeiten frei, die ich für Dringendes oder Unvorhergesehenes verwenden kann. Oder für einen Espresso beim Italiener um die Ecke. Perfektionismus vermindern: Nicht jede Präsentation muss perfekt sein. Menschen machen Fehler, ich auch. Nein-Sagen: Es ist schmeichelhaft, immer wieder für ehrenamtliche Arbeit angefragt zu werden. Aber es gibt genügend andere, die das besser können als ich. Gesamtbelastung: Diese halte ich konstant. Ich nehme nur dann neue Aufgaben an, wenn ich andere abgeben kann. Gesundheit: Bewegung jeden Tag, genügend Schlaf und italienisches Essen. Die Arbeit bleibt im Büro – auch gedanklich: Was noch nicht erledigt werden konnte, darf bis am nächsten Morgen warten. Entmisten: Alle drei Monate entmiste ich das Büro von Altlasten. Das tut gut und schafft Platz für Neues. Regeneration: Freizeit bedeutet für mich freie Zeit. Ich regeneriere besser bei einem Waldspaziergang als im hektischen Fitness-Studio. Mein Leitsatz heisst: «Tue auch mal nichts, dies aber richtig.»

Michael F. Gschwind, Psychologe FSP, unterstützt als Laufbahnberater und Coach SSCP Personen in beruflichen Veränderungsprozessen. > www.mfgschwind.ch